Ruf der Telekom-Lobby nach Regulierung der OTTs

Laut einem Artikel des Magazins telecompaper haben sich die Chefs der europäischen Ex-Monopol-Telcos per Brief an den Präsidenten des Europäischen Rats, Donald Tusk, gewandt, um dort für eine strengere Regulierung der sogenannten OTTs – Over-the-top-Kommunikationsanbieter wie z.B. Skype oder WhatsApp – aber auch für eine „investitionsfreundlichere“ Regulierung im Zugangsgeschäft zu werben.

Der zweite Teil dürfte gegen die bestehende Regulierung zur Zugangsgewährung für alternative Anbieter sowie gegen zukünftige, ernsthafte Regeln zur Netzneutralität gerichtet sein, also beides nicht verbraucherfreundlich.

Der erste Teil – die Forderung nach Regulierung der OTTs – hingegen wirkt auf den ersten Blick sogar positiv, könnte man sich als Endbenutzer davon doch z.B. besseren Datenschutz erhoffen. Tatsächlich ist es aber eher die Vorgehensweise einen neidischen Kindes: Den erfolgreichen OTTs, die allesamt keine Ex-Monopolisten mit „geerbter“ Infrastruktur sind, soll das wirtschaftliche Leben mit regulatorischen Auflagen erschwert werden. Wünsche wie z.B. Interoperabilität zwischen verschiedenen Messaging-Anbietern klingen auf den ersten Blick verlockend, auf den zweiten Blick dürfte das zu einer „Zwangsvereinheitlichung“ der Dienste führen, wodurch die für die Wahl eines Dienstes ausschlaggebenden Features erzwungenermaßen verschwinden könnten.

Beispiel: Würde ein Messaging-Dienst mit Ende-zu-Ende-Verschlüsselung zur transparenten Interoperabilität mit unverschlüsselten Diensten gezwungen sein, könnte die Kommunikation zwangsläufig nicht mehr Ende-zu-Ende-verschlüsselt sein. Dem Dienst würde damit zwangsweise sein Alleinstellungsmerkmal genommen werden. Das wäre genau das Gegenteil der häufigen Forderung der Telekom-Lobby nach innovationsfreundlicher Regulierung, wenn die Innovationen somit wegreguliert würden!

Warum das ganze? Unsere Ex-Monopol-Telcos sind mit ihrer eigentlichen Rolle als reiner „Datentransporteur“ nicht zufrieden. Sie verstehen sich als „vertikaler Dienstleister“ – quasi ein digitaler Gemischtwarenladen. Der Endkunde soll am liebsten in einem „walled garden“ eingesperrt werden, in dem nur die Dienste der Telco selbst und eventueller (zahlungswilliger) Partner (ungedrosselt) zur Verfügung stehen. Das Sägen an der Netzneutralität sowie regulatorische Hürden sollen helfen, die (zahlungsunwilligen) OTTs aus dem „walled garden“ auszusperren.

Den besseren Weg, nämlich die technische Leistung des Datentransports wieder mit dem erwarteten Niveau anzubieten (ich meine hiermit nicht exorbitant hohe Datenraten auf der Endkundenleitung sondern direkte Peerings, niedrige Latenzen und stabile Datenraten auch zur Primetime) will leider keine der Ex-Monopol-Telcos gehen.

Fehlende Netzneutralität für Telekom-Kunden spürbar

Bei vielen Diskussionen pro und contra Netzneutralität wird von der Contra-Seite darauf hingewiesen, dass wir bisher auch keine vorgeschriebene Netzneutralität hatten und deren fehlen bisher niemandem unangenehm aufgefallen sei.

Das ist falsch, die fehlende Netzneutralität ist für viele Internetnutzer durchaus spürbar. Vom Provider Init7 gibt es dazu eine sehr technische Erläuterung, die ich im Folgenden in eine für Normalanwender leichter verdauliche Form bringen möchte. Vorab bedarf es etwas Grundwissen, um die Daten- und Geldströme im Internet verstehen zu können.

Welche Arten von Datenzusammenschaltungen gibt es?

  • Transit: Provider A kauft bei Provider B Zugang zum gesamten Internet ein, es ist Aufgabe von Provider B, das gesamte Internet erreichbar zu machen.
  • Peering: Provider A und Provider B tauschen Daten zwischen ihren Netzen (und den eigenen Kunden) direkt und kostenneutral aus. I.d.R. an Bedingungen geknüpft, damit beide Seiten dadurch profitieren.

Sonder-/Mischformen:

  • Partial Transit: Provider A kauft bei Provider B Zugang zu Teilen des Internets ein, die B besonders einfach erreichen kann. I.d.R. günstiger als normaler Transit.
  • Paid Peering: Provider A kauft bei Provider B direkten Zugang zu dessen Netz (und dessen Kunden), also quasi sehr partieller Transit. I.d.R. angeboten, wenn Bedingungen für normales Peering nicht erfüllt sind.

Anhand der Datenzusammenschaltungen kann man Provider nun in ein dreistufiges System einordnen:

  • Tier 1 Provider: Kaufen keinen Transit ein, decken das gesamte Internet durch Peerings mit anderen Tier 1 Providern ab.
  • Tier 2 Provider: Kaufen Transit ein, nutzen aber auch Peerings zur Kostenreduzierung und/oder Performanceverbesserung.
  • Tier 3 Provider: Kaufen nur Transit ein.

Kommen wir nun zurück zum eigentlichen Thema, wo/wie spüren Telekom-Kunden die fehlende Netzneutralität?

Die Telekom ist seit Dezember 2010 ein Tier 1 Provider, d.h. Sie kauft keinen Transit mehr ein sondern wickelt ihren ganzen Datenverkehr über kostenneutrale Peerings mit anderen Tier 1 Providern ab (nebenbei: Die 2013 angedachte DSL-Drossel wurde u.a. mit dem teuren Einkauf von Traffic begründet.) oder wird sogar von Contentprovidern dafür bezahlt.

Viele dieser Peerings zwischen der Telekom und anderen Tier 1 Providern (z.B. Cogent, Level 3, NTT, GTT, TeliaSonera, XO, …) sind jedoch zur „Primetime“ massiv überlastet, wodurch die Datenübertragungsraten einbrechen (Paketverluste) und die Reaktionszeiten in die Höhe gehen (Latenzen). Laut Aussage von Level 3 wird ein Ausbau der Zusammenschaltungen von der Telekom verweigert.

Warum? Als großer Zugangsprovider kann man seine eigenen Kunden und die seiner Reseller (1&1 und Congstar) als Druckmittel benutzen und die Contentprovider in gewisser Weise erpressen: „Möchtest Du meine Kunden schnell erreichen können? Dann kaufe bitte Transit oder Paid Peering direkt bei mir ein, die normalen Wege sind leider überlastet.“

Auf den ersten Blick nicht weiter schlimm, ist doch egal, wo man (noch) Transit einkauft, schaut man sich jedoch die Preise an, die die Telekom laut Init7 verlangt, wird das Problem klar:

  • Doppelter Marktpreis
  • Progressives Preissystem

Vor diesem Hintergrund drängt sich dem Telekom-Kunden nun doch der Verdacht auf, dass die überlasteten Peerings der Telekom (die normalen Spuren) volle Absicht sind, um den Contentprovidern die teuren „Überholspuren“ schmackhaft zu machen.

Wer leidet darunter? Die Telekom-Kunden, die nur die Angebote wirklich schnell erreichen können, die sich eine „Überholspur“ ins Telekom-Netz kaufen. Init 7 hat dazu eine Vergleichsmöglichkeit online gestellt, wo man sich jeweils Audio- und Video-Stream auf dem normalen Weg und über die teure „Überholspur“ ansehen kann. Der Unterschied ist auch außerhalb der „Primetime“ bereits deutlich.

Vor diesem Hintergrund wirken auch die Versuche der Telekom, ein nationales Routing bzw. ein Schengen-Routing durchzusetzen, ganz anders: Der Versuch, die Provider per Gesetz zum Transit-Einkauf zu zwingen.

Update 11:30:

Ja, in diesem Beitrag geht es nicht um klassische, aktive Netzneutralitätsverletzungen bei der ein Anbieter aktiv den Datenstrom negativ beeinflusst, sondern um passive Netzneutralitätsverletzungen, bei der ein Anbieter durch seine Peering- und Preispolitik indirekt aber bewusst den Datenstrom negativ beeinflusst. Das Ergebnis ist im wesentlichen dasselbe.

Telekom: Update gegen IPv6-Probleme an Broadcom-Linecards wird ausgerollt

Im Oktober hatte ich von den IPv6-Problemen der Telekom mit bestimmten MSAN mit Broadcom 164.37 Linecards berichtet. Damals hatte Helge vom Telekom-Hilft-Team angekündigt, dass mit dem Software-Update leider nicht mehr vor dem Jahreswechsel zu rechnen sei.

Zum Glück ist die Telekom aber manchmal auch ihrem Zeitplan voraus: Vor einigen Tagen wurde im Onlinekosten-Forum bereits von einem Insider angekündigt, dass sich hier demnächst etwas tun könnte, mittlerweile liegen die ersten Bestätigungen bisher betroffener im (neuen) Telekom-Hilft-Forum vor.

Nachdem dieser MSAN-Typ im Rahmen des VDSL-Vectoring-Ausbaus wohl relativ häufig verbaut wurde und wird, bin ich gespannt, ob sich dieser Bugfix nun sichtbar in der IPv6-Verbreitung in Deutschland und speziell bei der Telekom auswirken wird.

Zeit per NTP auf Windows-Systemen

Für den üblichen Client-PC ist es nicht weiter problematisch, wenn die Systemuhr nicht auf die Sekunde genau gestellt ist. Auf Servern möchte man aber exaktere Uhrzeiten, z.B. damit zeitlich abgestimmte Prozesse in einem Serververbund korrekt ablaufen oder aber clusterweit einheitliche Zeiten in den Logfiles sichergestellt sind.

Windows bietet zwar seit Version 5.1 (XP bzw. Server 2003) einen integrierten NTP-Client und -Server an, der jedoch in den aktuellen Windows-Versionen leider ab Werk derart fehlkonfiguriert ist, dass er für verlässliche Zeitsynchronisation nicht brauchbar ist: Auf Standalone PCs und Server (d.h. keine Windows-Domain) wird der Dienst nicht automatisch sondern nur einmal wöchentlich per Taskplaner gestartet. Selbst wenn man ihn auf automatischen Start umstellt, beendet er sich i.d.R. danach wieder selbst. Mit wenigen Zeilen auf der Shell bringt man ihm aber wieder eine brauchbare Funktion bei.

Folgendes Script führt der Reihe nach die nötigen Schritte durch:

net stop w32time
reg add HKLM\SYSTEM\CurrentControlSet\services\W32Time\TimeProviders\NtpClient \
    /v SpecialPollInterval /t REG_DWORD /d 86400 /f
sc triggerinfo w32time delete
sc config w32time start= Auto
net start w32time
w32tm /config /manualpeerlist:"0.de.pool.ntp.org,0x9 1.de.pool.ntp.org,0x9 \
    2.de.pool.ntp.org,0x9 3.de.pool.ntp.org,0x9" /syncfromflags:manual /update
w32tm /resync
  • Der Dienst wird gestoppt (falls er wider erwarten doch gerade läuft).
  • Das Poll-Interval wird von 7 Tagen auf 24 Stunden reduziert.
  • Die Dienste-Trigger, die den Dienst außerhalb von Windows-Domains stoppen, werden gelöscht.
  • Der automatische Dienst-Start wird aktiviert und…
  • …der Dienst gestartet.
  • Die de-Pool NTP-Server werden konfiguriert.
  • Ein sofortiger Resync der Zeit wird ausgelöst.

Als kleine Batchdatei abgelegt kann man damit neu einzurichtende PCs oder Server schnell mit brauchbarer NTP-Synchronisation ausstatten oder den Aufruf sogar in einen automatischen Installationsprozess integrieren.

Das Märchen mit den Qualitätsklassen, die angeblich niemandem schaden

Im Rahmen des Netzallianztreffens am 7. Oktober im „Infrastrukturministerium“ rührten Vertreter von Telekom und Vodafone erneut die Werbetrommel für Qualitätsklassen bei Internetdiensten. Egal ob man es jetzt Qualitätsklassen, Spezialdienste, Managed Services oder einfach QoS nennt: Es ist eine Mogelpackung, auf die allerdings die Politk hereinzufallen droht. Jens Koeppen (CDU) sieht die Möglichkeit, Providern QoS zu erlauben, wenn diese im Gegenzug den Breitbandausbau in ländlichen Regionen finanzieren.

Wo ist nun die Mogelpackung?

Werfen wir zuerst einen Blick auf die technische Seite: Solange ein Datennetz ausreichende Kapazitäten bereitstellt, können alle Datenpakete uneingeschränkt transportiert werden, also sind Qualitätsklassen unnötig. Erst wenn ein Datennetz nicht mehr für die zu bewältigende Datenmenge ausreicht, kommen Qualitätsklassen ins Spiel um zu entscheiden, wessen Datenpakete weiterhin normal transportiert werden (wer also für eine höhere Qualitätsklasse bezahlt hat) und wessen Datenpakete verworfen werden sollen (wer sich also nur die Standard-Qualitätsklasse leisten kann). Wenn es also um einen zukunftssicheren Breitbandausbau geht, wozu werden dann überhaupt Qualitätsklassen benötigt?

Betrachten wir nun die wirtschaftliche Seite: Qualitätsklassen sind für einen Provider nur interessant, wenn er damit zusätzliche Umsätze erwirtschaften, sie also an Kunden verkaufen kann. Kunden wiederum werden sie nur kaufen, wenn sie dadurch einen Vorteil haben. Solange ein Datennetz ausreichende Kapazitäten bereitstellt, hat ein Kunde vom Erwerb einer höheren Qualitätsklasse keinerlei Vorteil, weil seine Daten – egal in welcher Qualitätsklasse sie transportiert werden – aufgrund der ausreichenden Kapazität problemlos transportiert werden können.

Unzureichende Kapazitäten oder künstliche Verknappung

Aus beiden Betrachtungen wird klar, dass Qualitätsklassen einem Provider nur dann etwas nutzen, wenn er entweder doch unzureichende Kapazitäten hat oder aber die an sich ausreichenden Kapazitäten künstlich verknappen möchte (z.B. per Drosselung nach einem gewissen Freivolumen), um die Kunden zur Buchung höherer Qualitätsklassen zu drängen. Beide Fälle widersprechen aber der gebetsmühlenartig wiederholten Behauptung der Provider, durch Qualitätsklassen würde das „offene und freie Internet“ nicht beeinträchtigt: Wenn unzureichende Kapazitäten vorhanden sind und somit höhere Qualitätsklassen als „Überholspur“ nötig werden, dann wird zwangsläufig der Rest, also normale Internetdienste, deutlich darunter leiden. Im Falle der künstlichen Verknappung wird sogar noch deutlicher, dass normale Internetdienste die Leidtragenden sein müssen. Würden sie weiterhin wie gewohnt funktionieren, würde niemand die Notwendigkeit sehen, höhere Qualitätsklassen zu kaufen.

Irreführende Wohlfahrtsbeispiele

Mit geschickt ausgewählten Beispielen für Spezialdienste, wie z.B. E-Health-Anwendungen, gelingt es den Providern leider immer wieder, die Politik für Qualitätsklassen zu begeistern. Diese Beispiele sind jedoch irreführend: Qualitätsklassen sind nur für zeitkritische Anwendungen, wie z.B. Tele-Operationen, relevant. Niemand mit genug Fachwissen wird den Datenstrom einer Tele-Operation über das Internet transportieren wollen. Das Risiko durch Unterbrechungen oder Manipulationen wäre viel zu groß. Läuft der Datenstrom hingegen über eine dedizierte Datenleitung, sind wiederum keine Qualitätsklassen notwendig, weil die Datenleitung exklusiv nur für diesen Zweck mit fester Datenrate reserviert ist. Im Zweifelsfall wird ein Provider mit wirtschaftlichen Interessen die hohe Qualitätsklasse eher an einen finanzstarken Videostreaming-Dienst verkaufen als an ein eher finanzschwaches Klinikum – unser Gesundheitssystem ist ja nicht gerade für seine üppige Finanzierung bekannt.

Fazit

Jeder Internetnutzer bezahlt seinen jeweiligen Provider für den Transport von Daten. Dabei kann ein Datenpaket nicht „besonders gut“ transportiert werden. Entweder es wird transportiert oder es wird verworfen. Erlaubt die Politik die Einführung von Qualitätsklassen, dann erlaubt sie den Providern gezielt Datenpakete von Wenigzahlern zu verwerfen, anstatt ihre Kapazitäten dem Bedarf anzupassen.

Telekom: IPv6 oder Inklusivnutzer, aber nicht beides… (Update)

Die Telekom scheint bei Ihrem IPv6-Rollout von Pannen verfolgt zu werden. Nachdem sich die aktuelle Firmware einiger Outdoor-MSANs als Inkompatibel mit den DHCPv6-Replies herausgestellt hat, wurde nun in den Service-Foren die Ursache für ein weiteres Verschwinden von IPv6 bei Kunden, die es bereits nutzen konnten, erkannt (wieder mal von einem Kunden, nicht von der Telekom selbst):

Sobald ein Inklusivnutzer angelegt wird (z.B. für eine weitere E-Mail-Adresse oder eine logische Trennung der VoIP-Nummern), wird beim Verbindungsaufbau kein IPv6-Präfix mehr zugeteilt. Interessant ist, dass bei einigen der Betroffenen der Inklusivnutzer nie explizit beauftragt wurde sondern aus unbekannten Gründen angelegt wurde oder als „Kollateralschaden“ bei anderen Aktionen (Mediacentereinrichtung)…

Update 24.10.2014:

Das Problem scheint zwischenzeitlich behoben zu sein, möglicherweise kann sogar das zubuchen eines weiteres Inklusivnutzers die Reprovisionierung des Datensatzes und damit die Aktivierung von IPv6 bewirken.

Telekom: IPv6-Probleme mit bestimmten MSAN

Dass die Telekom eine etwas gewöhnungsbedürftige IPv6-Rollout-Politik verfolgt, ist ja nichts neues. Nun ist man dort aber auf ein größeres technischen Problem gestoßen, dass sogar erstmal die Kunden debuggen mussten. Doch fangen wir von vorne an.

Seit Anfang 2014 tauchen in den Service-Foren der Telekom Problemmeldungen von Kunden auf, denen beim Wechsel von z.B. ADSL auf VDSL plötzlich wieder IPv6 abhanden gekommen ist. Schnell wird von der Telekom die Schuld den AVM-Routern bei den Kunden zugeschoben (obwohl auch Speedport-Nutzer betroffen sind), da das IPv6-Merkmal am PPPoE-Konto korrekt aktiviert sei. Da sich die Meldungen häufen und andere Kunden (wie ich) mit AVM-Router am VDSL problemlos IPv6 erhalten können, beginnen Recherchen der Kunden selbst. Als gemeinsame Komponente bei allen betroffenen stellen sich Broadcom 164.37 Linecards in den MSANs heraus. Es dauert bis August, bis dann auch von der Telekom ein Ergebnis da ist:

An den betroffenen Anschlüssen ist die Kommunikation zwischen dem DSL-Endgerät und dem DHCPv6-Server durch ein Fehlverhalten des MSAN im Downstream eingeschränkt. Das DSL-Endgerät reagiert dann auf die ausbleibende Antwort des DHCPv6-Servers mit neuerlichen SOLICITs – doch auch auf diese hin kann die vorgesehene und vom DSL-Endgerät erwartete Antwort nicht beim Kundenrouter eintreffen.

Die Ursache ist jetzt so weit eingegrenzt, dass eine nachhaltige Lösung per Software-Update möglich wird. Mit diesem Update ist aber nach derzeitigem Stand nicht mehr vor dem Jahreswechsel zu rechnen.

Quelle: Helge vom Telekom Hilft Team.

Ich hoffe, die Telekom lernt daraus:

  1. Dass man, wenn man IPv6 anbietet, neue MSAN-Software auch mit IPv6 testen sollte.
  2. Dass man nicht vorschnell Fremdroutern die Schuld zuschieben sollte, besonders nicht wenn Screenshots dieser Fremdrouter in Telekom-Präsentationen zu IPv6 verwendet werden.

Drossel, die zweite: O² dreht zu

Nachdem die Telekom im April letzten Jahres Ihre Drosselpläne bekannt gab (die im Dezember aber wieder zurückgezogen wurden), zog Telefonica O² im Oktober nach und führte eine sogenannte „Fair Flatrate“ im Kleingedruckten ihrer Tarife ein, die ab Juni 2014 greifen sollte, kürzlich aber auf Oktober 2014 verschoben wurde.

Die Argumentation von Telefonica O² folgt dabei dem Muster der Telekom: Der durchschnittliche Kunde verbrauche nur einen Bruchteil des enthaltenen Freitraffics, daher sei es nur gerecht, dass Poweruser stärker zur Kasse gebeten werden sollen. Tatsächlich zeigt die starke Diskrepanz zwischen dem angeblichen Durchschnittsverbrauch von 21 GB und dem enthaltenen Freitraffic von 300 GB bei den Paketen M und L aber, dass das Gerechtigkeitsargument wieder nur zum schein benutzt wird.

Tatsächlich dürfte es, wie im Fall der Telekom-Drossel, wieder darum gehen, die Content-Anbieter an den Verhandlungstisch für die Buchung von sogenannten „special services“ (Stichwort Netzneutralität) zu zwingen. Seit Jahren versuchen die großen Zugangsanbieter zusätzlich auch bei den Content-Anbietern für den Transport zu kassieren. Die Content-Anbieter sind freilich nur dann für eine finanzielle Beteiligung zu gewinnen, wenn sie dadurch irgendeinen Vorteil erhalten. Die Qualität der bisherigen Internetzugänge ist aber vollkommen ausreichend für die Content-Anbieter. Die Drosselung soll nun die bisherige Leistung künstlich verschlechtern, so dass bei den Content-Anbietern die Motivation steigt, sich durch Zahlungen von der Drosselung freizukaufen, damit die Zugangskunden der jeweiligen Telekommunikationsanbieter weiterhin erreicht werden.

Der Versuch, die Content-Anbieter finanziell zu beteiligen, erscheint auf den ersten Blick nachvollziehbar, auf den zweiten Blick ist der gewählte Weg jedoch problematisch:

  1. Durch exklusive Partnerschaften zwischen manchen Content-Anbietern und manchen Zugangsanbietern wird den Wechsel des Zugangsanbieters erschweren, weil z.B. bereits erworbene Online-/Streaming-Inhalte über den neuen Zugangsanbieter nicht mehr nutzbar wären oder erneut erworben werden müssten. Schlimmstenfalls müssten Kunden sogar gleichzeitig mehrere Internetzugänge bereithalten um weiterhin alle Angebote in brauchbarer Qualität nutzen zu können.
  2. Die Ausnahme mancher Inhalte von einer Drosselung führt zu einer Benachteiligung aller anderen Inhalte, z.B. auch nicht-kommerzieller und privater Art und gefährdet damit eines der größten Vorteile des Internets: Die Möglichkeit des einzelnen, unkompliziert Inhalte zu publizieren bzw. Dienste anzubieten. Für viele kleine Unternehmen und Startups könnte das bereits vor der Betriebsaufnahme das Aus bedeuten.
  3. Bei den Zugangskunden wie auch den Inhaltsanbieter zu kassieren verändert das bisher etablierte Verfahren im Internet, das jeder Teilnehmer nur seinen direkten Upstream-Provider bezahlt. Müssten Inhaltsanbieter nun zusätzlich zum direktem Upstream-Provider auch viele Zugangsanbieter zusätzlich bezahlen, dann würden deren Angebote zwangsläufig teurer werden bzw. die Werbung auf den Plattformen müsste ausgebaut werden. Im Gegenzug wäre kaum damit zu rechnen, dass die Zugangsanbieter die Preise für Endkunden reduzieren.

Man erkennt, dass das Thema Netzneutralität nicht nur ein Luxusproblem ist sondern der einzige Weg um die bisher gewohnte Vielfalt im Internet weiterhin zu erhalten und die IT-Revolution bzw. Industrie 4.0 tatsächlich als Job-Motor zu nutzen.

Zulässige Windows-Anwendung oder nicht?

Aus der Kategorie „unglaublich“ kommt heute eine Problemmeldung eines Kunden. Sein Windows Server 2008 scheiterte, beim Versuch einen bestimmten Dienst (nennen wir ihn hier XYZ) zu starten, und schrieb den Fehlercode „%%193“ mit der Meldung „XYZ ist keine zulässige Win32-Anwendung“ ins Ereignisprotokoll.

Spontan denkt man natürlich an ein beschädigtes Binary, wobei da ja bereits der Installer hätte aufschreien müssen, aber zur Sicherheit prüft man es und ruft das Binary auf der Konsole im Debug-Modus auf und… es läuft anstandslos.

Das Rätsels Lösung ist ein Windows-Fehler der unter Q325680 bei Microsoft bekannt ist: Wenn der Pfad, unter dem ein Dienst installiert ist, mit einem Wort (!) beginnt und es eine Datei im Wurzelverzeichnis das Datenträgers gibt, die dasselbe Wort als Name hat, dann kann der Dienst nicht gestartet werden.

In diesem Fall war der Dienst unter „C:\Program Files (x86)\ABX\XYZ.exe“ installiert und es gab – von einem anderen Programm – eine Logdatei „C:\Program“. Für Windows Grund genug um den Dienst XYZ nicht mehr starten zu wollen.

Europawahl am 25. Mai 2014: Europa ernst nehmen, zur Wahl gehen!

Um das Interesse an Politik ist es ja generell schon nicht so gut bestellt, aber bei EU-Themen hatte ich bisher das Gefühl, dass viele Leute besonders desinteressiert waren. Häufig wird die EU als bürokratischer Wasserkopf gesehen, der sich mit solch wichtigen Dingen, wie z.B. der Gurkenkrümmung oder Einwegflaschen für Olivenöl beschäftigt und der Euro ist in vielen Köpfen. Bei all den bürokratischen Auswüchsen ermöglicht uns die europäische Einigung aber auch positives wie z.B. vereinfachtes Reisen durch das Schengener Abkommen, durch die gemeinsame Währung und auch durch die Regulierung der Roaming-Gebühren.

Die letzten Monate und Jahre zeigen auch, dass die EU für die Bürgerrechte und die Netzpolitik eine zunehmend wichtige Rolle spielt:

  • Im Dezember 2005 stimmte das Europaparlament für die Richtlinie zur Vorratsdatenspeicherung in der EU.
  • Im Juli 2012 hat das Europaparlament nach Massenprotesten das Handelsabkommen ACTA abgelehnt.
  • Im April 2014 wurde vom Europaparlament im Rahmen des Telekommunikationsbinnenmarkts für strenge Netzneutralität gestimmt.
  • Im April 2014 wurde vom EuGH die EU-Richtlinie zur Vorratsdatenspeicherung gekippt.

In Zukunft werden weitere wichtige Themen auf der europäischen Ebene entschieden werden, die ein mit hoher Wahlbeteiligung gestütztes Europaparlament verdienen:

  • Die geplanten Freihandelsabkommen CETA (kanadisch/europäisch) und TAFTA/TTIP (US-amerikanisch/europäisch) könnten weitreichenden Einfluss auf unser Leben haben.
  • Gemeinsame europäische Reaktionen auf die Massenspionage durch NSA und GCHQ würden schwerer wiegen als die einzelner Staaten.

Bleibt noch Policy Laundering, für das übernationale Institutionen wie die EU oder auch die UN per se anfällig sind: Scheitert eine Regierung in ihrem nationalen Parlament mit bestimmten Gesetzen, dann versucht sie entsprechende Vorgaben auf übernationalem Weg durchzusetzen, die dann vom nationalen Parlament leichter angenommen werden, weil es ja „nur“ um die Umsetzung übergeordneter Vorgaben geht. So geschehen mit der Vorratsdatenspeicherung. Dagegen hilft nur, wenn die Wähler an Themen des Europaparlaments mindestens genauso viel Interesse haben, wie an Themen des Bundestags, und es die Abgeordneten auch durch eine hohe Wahlbeteiligung spüren lassen.

Für die noch Unentschlossenen ist der Wahl-O-Mat ein erster Anlaufpunkt, um sich einen Überblick über die Themen und Parteien zu verschaffen, dem dann aber ein Blick in die Wahlprogramme der Parteien folgen sollte, bevor man sich endgültig festlegt.

Ach ja, die Ausrede „am Wahlsonntag hab‘ ich schon was vor“ zählt nicht: Briefwahl!